Philo-Coaching im KKL mit der Existenzebenen-Methode

"Ich bin, also denke ich." Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? – Beim gerade in Corona- und Lockdown-Zeiten hilfreichen Philo-Coaching im KKL liegt unter anderem meine selbstentwickelte philosophische Selbsterkenntnis- und Coaching-Methode zugrunde. Die kreist um den Zentralbegriff der "Existenz-Ebenen".

Erinnern Sie sich an René Descartes? Der gottesfürchtige Alles-Bezweifler wähnte sich – und damit den Menschen an sich – nach langen „Meditationen“ - die im Frankreich des 17. Jahrhunderts noch nichts mit fernöstlichen Praktiken zu tun hatten, sondern im Nachdenken und Schreiben bestanden - nur an einer Stelle ganz sicher: „Cogito, ergo sum.“ (Ich zweifle/denke, also bin ich.) Seither sucht der europäische Mensch sein Heil im Verstand samt der darauf gegründeten technisch-maschinell orientierten Wissenschaft – und findet es dort doch nicht wirklich. Kein Wunder eigentlich. Denn wer gelassen genug auf die Welt der tatsächlich vorkommenden und wahrgenommen werdenden Phänomene schaut, stellt alsbald fest: Umgekehrt wird aus der tradierten Formel ein passender Schuh! Es sollte also heißen: „Ich bin, also denke ich (auch).“

"Ich bin, also denke ich (auch)." - Philo-Coaching ist Life-Coaching mit Nachdenken über die eigenen Existenzebenen

Will sagen: Zuerst „weiß“ ich ganz ohne erkenntnistheoretisch problematische Induktionen oder Deduktionen, dass ich existiere, dass ich ein „Gefühl“ des Lebendig-Seins am eigenen Leibe spüre. Und zu diesem vorgängig ins Sein gebetteten Leib als ganzheitlichem Wesensphänomen gehört dann unter anderem das mehr oder weniger rational unterscheidende, "klare" Denken dazu ("clare et distincte", sagte Descartes). Dieses Denken ist wesentlich Auslegung des ("subjektiven") Existierens in der ("objektiven") Welt als ganzer. Die Art, wie wir als gewissermaßen denkende Leiber das tun, führt in den Kern meiner philosophischen Arbeits- und Beratungsmethode, wie sie im Philo-Coaching regelmäßig angewendet wird.

Wir leben und denken nämlich ziemlich unweigerlich in philosophischen Existenzebenen (außer vielleicht in der "Meditation" nach heutigem west-östlichen Sprachgebrauch, insofern diese manchmal auf Ausschaltung des Verstandes zielt). Anders ausgedrückt: Ich denke über mich in bestimmten Fragestellungswelten (von "Wer bin ich?" bis "Was ist die Welt?") nach, weil ich in diesen Ebenen mein wesentliches Sein betrachten kann bzw. verstehen möchte. Die Philosophiegeschichte (zumindest die abendländische) ist in dieser Betrachtungsweise ein unabschließbares Gespräch über die sehr realen Grundfragen des (subjektiven) Menschseins.

Ich nenne die übergeordneten "Wirklichkeitsbereiche" bzw. Rahmen-Konstrukte, die wir dabei in Überlieferung und individueller Erfahrung gleichermaßen finden können, die „Existenzebenen“ oder auch die "Felder" des Daseins. Es handelt sich um einigermaßen "rationale" Konzepte, das heißt: Sie sind aus realer Erfahrung der Subjekte in ihren vielfältigen Lebenskontexten oder kulturell-relativen (Medien-) Diskursen sprachlich-diskursiv rekonstruierbar und insofern auch "analysierbar".

Wir interpretieren unser tatsächliches subjektives Dasein stets auf diesen Konstruktionsebenen, teilweise bewusst, größtenteils unbewusst. Auf diese Weise geben wir uns wohl den nötigen Halt im Leben, dessen stets hintergründig präsente Vergänglichkeit ohne solche Konstruktionen oder Zusammenhangserzählungen wahrscheinlich schwer zu ertragen wäre. In jedem Fall leben wir auf diese Weise mit einer Vielzahl von tief sitzenden und von eher oberflächlichen "Glaubenssätzen". Über die eigenen Glaubenssätze mehr zu erfahren und sie unter Umständen auch zu verändern, ist für meine Klienten zumeist ein wesentliches Anliegen im Philo-Coaching, das mit Therapie oder gar Psychoanalyse  und anderen krankheitsbezogenen Begriffen nichts zu tun hat, wohl aber mit der auf den Einzelnen bezogenen, eher beschreibend-verstehenden Analyse der je eigentümlich gelebten Existenzebenen.

Ich habe für die konkrete Arbeit mit solchen Konzepten übrigens genau neun Ebenen identifiziert und sie in einem Existenz-Grundbild vom "Trichter des eigenen Lebens" dargestellt. Das Bild unten gibt vorab schon einmal die Übersicht. In weiteren Philo-Coaching-Blogfolgen werde ich in den nächsten Monaten beispielhaft einige Ebenen und Lebensbereiche näher beleuchten und von Coaching-Erfahrungen nicht nur aus Corona-Zeiten mit diesen Lebensebenen berichten.

Mehr zum Thema "Philo-Coaching" finden Sie auf der KKL-Angebots-Seite und auf der Website der Philosophischen Praxis.

Trichter des eigenen Lebens in philosophischen Existenzebenen

Zurück