Technologie-Blog Lübeck: Die Industrie in die Klinik holen - Lübecker Campus als Entwicklungspartner der Medizintechnikhersteller

Die Medizintechnik ist von jeher ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit von Forschungseinrichtungen und Firmen auf dem Lübecker BioMedTec-Campus. In Zukunft wird sich der Campus auch verstärkt als Standort für eine besonders enge Zusammenarbeit von Herstellern und Kliniken positionieren.

Im Rahmen des Förderwettbewerbs „Aufbau von Industrie-in-Klinik-Plattformen zur Entwicklung innovativer Medizinprodukte“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickeln zurzeit rund 20 beteiligte Campus-Partner im Kontakt mit einen breiten Spektrum von interessierten Medizintechnikherstellern das Konzept für eine umfassende Kooperations- und Unterstützungsplattform. Hier sollen neue Technologien, Prozesse und Infrastrukturen entwickelt und evaluiert werden, mit denen das Zusammenspiel von Herstellern und Klinik-Anwendern vor Ort verbessert werden kann. Zentrales Ziel dieser Initiative ist eine bedarfsgerechte und effiziente Steuerung der Entwicklungsprozesse, um Innovationen so schnell und gezielt wie möglich zur Verbesserung der Versorgungsqualität vor Ort zu nutzen.

„Bis zum Frühjahr geht es jetzt darum, ein Lübecker Detailkonzept auszugestalten, das den Fördermittelgeber in seiner Systematik und als Businessplan überzeugt“, erläutert Dr. Raimund Mildner die aktuelle Projektaufgabe. Die Voraussetzungen am Standort seien hervorragend und das Grundkonzept habe bereits überzeugt, sodass Lübeck als einer von bundesweit 18 Standorten die erste Auswahletappe erfolgreich überstanden hat. In seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der UniTransferKlinik Lübeck steuert Mildner das Lübecker Vorgehen in diesem Antragsprojekt gemeinsam mit den Projektkoordinatoren für die Kliniken des Universitätsklinikums (UKSH) Professor Dr. Jörg Barkhausen sowie für die Informationstechnologie des UKSH Dr. Armin Will.

„Das Projekt zielt auf einen Perspektiven- oder sogar Paradigmenwechsel hin zur möglichst bedarfsgerechten Entwicklung von Produkten und Prozessen“, erklärt Raimund Mildner den neuen Ansatz. Anders als bisher sollen nicht mehr zunächst die Technologieentwickler in den Instituten und bei den Herstellern technisch innovative Ergebnisse erzielen, um sie danach in die klinische Praxis zu transferieren. Vielmehr sollen jetzt zunächst die Kliniken gemeinsam mit den Herstellern konkrete Entwicklungs- und Optimierungsbedarfe sowie neue Produktkonzepte identifizieren, die dann mit Unterstützung der Entwickler in den Instituten umgesetzt werden. „Auf dem Lübecker Campus wird dieser Perspektivenwechsel begrüßt. Schon jetzt engagieren sich zehn Kliniken in diesem Förderprojekt. Wir sind alle überzeugt, dass das Lübecker Konzept am Ende den Wettbewerb erfolgreich bestehen wird“, ergänzt Professor Barkhausen. Er selbst ist als Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin des UKSH an einem ersten Modellvorhaben mit der Herstellerfirma Philips beteiligt, bei dem es um das Thema Datenanalyse geht: Früher bestand die Herausforderung darin, alle Informationen, die zur Optimierung der Prozesse in der Diagnostik erforderlich sind, zu erheben und zusammenzutragen. „Heute dagegen stehen in der Klinik die meisten Informationen digital zur Verfügung, aber uns fehlen intelligente Software-Werkzeuge, um aus den vorhandenen und extrem komplexen Informationen die richtigen Schlüsse zu ziehen“, erläutert Professor Barkhausen.

Das Dreierteam sammelt jetzt auf dem Campus solche und ähnliche Ideen für Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungsangebote und Erprobungsprojekte, die im Rahmen der „Industrie-in-Klinik-Plattform HL“ bearbeitet werden sollen. „Die Lübecker Angebotspalette für eine Zusammenarbeit mit den Herstellern ist breit“, freut sich Raimund Mildner. Er nennt unter vielen anderen Ansätzen die besonderen Kompetenzen und Anwendungsinteressen von Lübecker Campus-Einrichtungen in den Bereichen der Bildgebung und Bildauswertung, der Assistenz- und Navigationssysteme im Operationssaal, der Datenanalyse bei großen Datenmengen („Big Data“) sowie der Geräte- und Software-Vernetzung. „Und im UKSH-IT-Netzwerk steht dafür zukünftig auch eine Testumgebung zur Verfügung, mit der Hersteller und Kliniken Vernetzungstechnologien und -szenarien sicher und realistisch erproben können“, ergänzt Armin Will.

Noch aber müssen die Lübecker Konzeptentwickler erst einmal als einer der finalen Fördermittel-Gewinner aus diesem Wettbewerb der Konzepte hervorgehen. Das Technologie-Blog-Team wünscht viel Erfolg.

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